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Die Synagoge und die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Mediasch


Übersetzt von: Heike Lammers

Die Autorinnen des Berichtes sind: Julie Dawson, Mitarbeiterin des Leo Baeck Institute New York und Leiterin des Projekts „Erforschung der Archive Transsilvaniens und der Bukowina“, sowie Architektin Letitia Cosnean und Anda Reuben, Projektmanagerin.

Eine kurze Geschichte der jüdischen Gemeinde von Mediasch

Der Ort Mediasch wurde im 12. Jahrhundert von Siebenbürgischen Kolonisten gegründet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts lassen sich bereits mehrere jüdische Familien in den umliegenden Ortschaften und vereinzelt auch einige in Mediasch nachweisen. Nach der Revolution von 1848 wurden die gesetzlichen Einschränkungen zum Recht auf Freizügigkeit gelockert, und so zogen viele der jüdischen Familien aus den Dörfern nach Mediasch: auf ihnen gründet sich die Mediascher Gemeinde. Ungefähr zu dieser Zeit wurde auch David Bäumel aus dem böhmischen Wolfersdorf in der Region ansässig. Ihn ernannte man zum ersten Rabbiner der Gemeinde. Er heiratete Lotte Kappel, Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie, die sich bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert in Mediasch niedergelassen hatte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeichnen sich bereits deutlich die Konturen der Gemeinde ab. Dafür steht auch zeichenhaft der Bau einer neuen und imposanten Synagoge am Rande der mittelalterlichen Stadtmauer. Wie die sächsische Mehrheit der Einwohner, so sprach auch die Gemeinde offiziell deutsch.

David Bäumel starb 1899, doch bereits 1905 übernahm Moishe Reich aus Budapest als neuer Rabbiner Amt und Verantwortung. In den 1920er Jahren finanzierte dann der Vorsitzende der Gemeinde, Benjamin Czitron, den Bau einer jüdischen Schule [von der die Pläne im Internet unter https://archive.org/stream/mediajewishb146f001#page/n42/mode/1up zu finden sind] und eines rituellen Bades, der Mikwe, neben der Synagoge.

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Gemeinde relativ glimpflich und ohne größere Verluste, doch nach dem Ende des Krieges sah sie sich mit einer Reihe von Veränderungen konfrontiert: 1945 starb Rabbiner Moishe Reich, viele wichtige Gemeindemitglieder emigrierten und eine große Zahl von Juden aus der Bukowina und dem Norden Transsilvaniens suchten ihre Zuflucht in der Stadt. In den 1950er und 1960er Jahren verließ die Mehrheit der Mediascher Juden – wie viele andere jüdische Bürger Rumäniens auch – das Land in Richtung Israel oder anderer Staaten. Die Folge war, dass nach dem Sturz des kommunistischen Regimes zu Ende der 1980er Jahre sich nur noch eine Handvoll Menschen in Rumänien zum jüdischen Glauben bekannte.

Gegenwärtig steht die Synagoge leer, die Archivalien und Gebetbücher aber beherbergt das ehemalige Verwaltungsgebäude neben der Synagoge.

Die Synagoge

Das ursprüngliche Gebäude stammt aus dem Jahr 1896, doch in den Folgejahren nahm man immer wieder einige Umbauten vor, wie zum Beispiel die beiden seitlichen Anbauten rechts und links des Vestibüls. Auf der rückwärtigen Seite schließen sich die Schule und das Ritualbad, die Mikwe, an. Üblicherweise standen die Synagogen Transsilvaniens stilistisch unter einem Einfluss, für den die Prachtbauten der Donaumonarchie im ausgehenden 19. Jahrhundert der Maßstab waren. Den Architekturstil der Mediascher Synagoge dagegen könnte man als eklektizistische Verarbeitung verschiedener Stilrichtungen des 19. Jahrhunderts bezeichnen. Unverkennbar ist dabei das Aufgreifen romantischer und maurischer Elemente: gitterwerkartige Verkleidungen, massive Pilaster, hohe Rundbogenfenster. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Architekt der Synagoge sich zwar von der Bauweise, die er in Wien oder Budapest kennen gelernt hatte, inspirieren ließ, diese aber entlang der Bedürfnisse der Mediascher Gemeinde und in Anlehnung an regionale Bauformen weiter entwickelte.

Der Innenraum ist in zwei Zonen unterteilt: den Eingangsbereich und den Zeremoniensaal. Der Eingangsbereich auf der Westseite gliedert sich in drei Räume: zur Rechten des eigentlichen Eingangs liegt ein dem Tora-Studium vorbehaltenes Zimmer, auf der linken Seite dagegen führt das Treppenhaus zur Frauenempore. Der Zeremoniensaal ist sehr großzügig bemessen: den 18×11 Meter großen Raum umgibt auf drei Seiten der Balkon der Frauenempore. In der Mitte des Hauptschiffes befindet sich die als „Bima“ bezeichnete Plattform, die von einem kunstvoll gedrechselten Holzgeländer eingefasst wird. Um sie gruppieren sich die Bänke. Die Bima war der Ort, von welchem aus der Gemeinde die Tora-Rollen verlesen wurden. Diese ruhten, wenn sie nicht im Rahmen der religiösen Zeremonien in Verwendung waren, im Toraschrein (Aron ha-Qodesch), der sich – ebenfalls erhöht – an der östlichen, das heißt, nach Jerusalem gerichteten Wand befand. Über dem Schrein waren die zwei Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten angebracht. Die Wandmalereien greifen in ihrer künstlerischen Ausgestaltung einige traditionelle Elemente auf: die Menora, Löwen, den Davidsstern, die Zehn Gebote, die Stadt Jerusalem sowie diverse Pflanzendarstellungen.

Das Archiv der Jüdischen Gemeinde von Mediasch

Im Jahr 2008 fand man im Innenraum der Synagoge ein großes Konvolut von Archivalien, Büchern und anderen Gegenständen, die aus dem ursprünglichen Besitz der Jüdischen Gemeinde Mediasch stammten. Die ältesten Dokumente datieren noch auf das ausgehende 19. Jahrhundert, viele weitere stammen aus dem Zeitraum zwischen den zwei Weltkriegen, respektive der Zeit kurz nach 1945. In einem ambitionierten, für den Zeitraum von Mai 2014 bis April 2015 anvisierten Projekt soll nun dieses Archivmaterial katalogisiert und digitalisiert werden. Finanziert wird das Projekt dank der großzügigen Spende eines Förderers, der allerdings um Anonymität bat. Darüberhinaus wird der Projektablauf auch vom Mihai Eminescu Trust unterstützt (www.mihaieminescutrust.org). Alle digitalisierten Quellen macht das Leo Baeck Institute New York (lbi.org) auf seiner Website online verfügbar. Auf diese Weise öffnet das LBI ein Fenster zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung Transsilvaniens und der Bukowina und ermöglicht es so zukünftigen Generationen, die archivierten Zeugnisse neu zu entdecken und auszuwerten (jbat.lbi.org).

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